Miniaturen

Miniaturen oder Kleinportraits gab es bereits im Altertum wie Funde in Pompej beweisen. Im 16. Jahrhundert gab es in England zahlreiche Miniaturisten die unter dem Einfluss des Augsburger Künstlers Hans Holbein d. J. standen, der am englischen Hof eine große Rolle spielte. Die zweite Blütezeit der englischen Miniaturmalerei begann um 1760 und dauerte bis um 1800 an. Zu dieser Zeit wurde eine wichtige Entdeckung gemacht, der Gebrauch von dünnem, fast durchsichtigem Elfenbein erlaubte es den Künstlern unter Verwendung von Folien und Farben neue Effekte zu erzielen. Über die Miniaturmalerei in Österreich im 17. und 18. Jahrhundert ist wenig bekannt, Jean Etienne Liotard kam während der Regierungszeit Maria Theresias nach Wien und hinterließ uns eine Vielzahl von Email- und Pastellarbeiten die sich zum Teil in der Portraitsammlung der Nationalbibliothek in Wien befinden. Der 1751 in Heilbronn geborene Heinrich Friedrich Füger malte neben seiner Funktion als Direktor der Akademie und gilt als der bedeutendste Wiener Künstler des 18. Jahrhunderts. Er starb 1818 in Wien.

Der Wiener Kongress von 1814, das gesellschaftliche Ereignis, welches Wien in den Mittelpunkt Europas rückte, veranlasste zahlreiche ausländische Künstler nach Wien zu kommen. Die berühmtesten unter ihnen waren Thomas Lawrence und Jean Baptist Isabey. Sie haben auf die Entwicklung der österreichischen Miniaturmalerei großen Einfluss ausgeübt. Die Werke von Johann Nepomuk Ender, Carl Josef Agricola und Friedrich August Lieder zeigen uns, dass Jean Baptist Isabey ihnen als großes Vorbild diente. Der bedeutendste österreichische, im In- und Ausland höchst geschätzte Künstler Moritz Michael Daffinger (1790 Wien-1849 Wien) fand an Lawrence‘ Werken so großen Gefallen, dass er beschloss sich dessen Technik anzueignen. In seinem 1921 versteigerten Nachlass fanden sich Schabkunstblätter des Künstlers und Portraits, die Daffinger zeitlebens kopierte. Er stellte die Dargestellten in ähnlicher Körperhaltung dar, verwendete dieselben Hintergründe und Farben. Der Künstler wurde 1836 Mitglied der Wiener Akademie und 1839 sogar Ehrenmitglied der Mailänder Akademie. Der Zenit seiner Erfolge in den 1830er Jahren war geprägt von den Aufträgen des Staatskanzlers Metternich und seiner Gemahlin Melanie sowie deren Freundeskreis. Nach dem Tod seiner einzigen Tochter Mathilde widmete er sich der heimischen Flora. Es entstanden 415 Aquarelle die im Kupferstichkabinett der Wiener Akademie der bildenden Künste verwahrt werden. Seine Portraitminiaturen gelten als geprägt von „Frauenanmut und Schönheit mit lyrisch romantischen Ausdruck“. Er beeinflusste die gesamte österreichische Schule seiner Zeit nachhaltig. Daffinger wurde zeitlebens von Emanuel Peter kopiert und die Werke des Künstlers in die typischen feuervergoldeten Blondellrahmen gesetzt. Des Weiteren seien die späteren Künstler Alois Anreiter, Robert und Adolf Theer, Richard Schwager, Friedrich Wailand hier erwähnt. Unter den Aquarellmalern, die den Adel und das gehobene Bürgertum darstellten, seien Josef Kriehuber, Johann Nepomuk Ender, Leopold Fischer, Franz Eybl, Peter Fendi hervorgehoben. Der große Ferdinand Georg Waldmüller, bekannt für seine Genreszenen im Wienerwald, schuf vereinzelt Miniaturen und wundervolle Aquarellportraits.

Literatur: Parnass 2/1982, H. 1, Jhg. II, S. 18–23